Signatur/Inschrift
bez. u. l.: E Barlach 1920
Beschriftung
verso o. l. runder Stempel in Schwarz: [unleserlich, wohl Zollstempel]; o. M. Etikette: Exhibition Modern German […], New Burlington Gallery […] London [ms]; darunter KHZ-Etikette; r. daneben KHZ-Etikette [grossteils abgerissen]; hs annotiert in Rot: W 2046; o. M. Etikette: Gustav Knauer […] 4871 Kunst-Abteilung [ms]; darunter Etikette: James Bourlet & Sons, Fein Art Packers, Frame […] B 42231 […] 17 & 18, Nassau Street, Mortimer Street, W. Phones: - Museum 1871 & 7988 [ms]; darunter Etikette: B 4 [hs]; r. daneben gelbe KHZ-Etikette; M. l. 2 KHZ-Etiketten; u. l.: 23 [hs, auf der rechten Seite stehend, weisse Kreide]; u. l. KHZ-Etikette; r. daneben Papier/Etikette [wurde mittlerweile bei einer Sichtung entknittert und in einer Sichthülle verwahrt auf der Rückseite des Objekts befestigt]: […] [Nati] onal […] 60 Rue Saint […] ROQ. 93-87 [?; ms]
Provenienz
- Ernst Barlach (*1870 Wedel (Holstein), +1938 Rostock) (Künstler/-in)
- 8.3.1921 – 3.4.1922, Galerie Paul Cassirer (Galerie), Berlin, KommissionE-Mail-Korrespondenz mit dem Paul Cassirer & Walter Feilchenfeldt Archiv, Zürich, 20.08.2024, sowie rote Stockkarte Nr. 17780, Paul Cassirer & Walter Feilchenfeldt Archiv, Zürich.
- 3.4.1922 – 18.12.1934, Fritz (Siegfried) Hess (*1886, +1976) (Sammler/-in), Berlin/London, Kauf, 50'000 MarkWie oben Fussnote 2; Laur/Probst/Bubrowski 2006, S. 160, Nr. 287 sowie Auszug aus dem Kommissionsbuch 1924-1938 Mai, fol. 174, Archiv der Galerie Fischer, Galerie Fischer Auktionen AG, Luzern. Recherche: Dr. Sandra Sykora. Zur Sammlung von Fritz Hess: Von der Schulenburg 1981: «Nach dem Krieg [Erster Weltkrieg] begann Fritz Hess Bilder zu sammeln. Seine Kunstsammlung [...]: ein Roger van der Weyden, zwei Grecos, zwei Cezannes, mehrere Renoirs, Braques, Daumiers - ein großer Torso von Maillol, ein Lehmbruck und vierzehn Barlachs. Hess kannte Barlach persönlich, er hatte ihn mehrmals in Güstrow besucht.» (ebd., S. 92).
- 1.9.1931, Galerie Fischer (Auktion), Luzern, Lot 46, unverkauftAuktion Cassirer/Fischer 1931, o. S., Nr. 46 (mit Abb. auf Tafel XXXVII); Getty Provenance Index: Sales Catalogs»: «Transaction: Unverkauft», vgl. http://piprod.getty.edu/starweb/pi/servlet.starweb?path=pi/pi.web (30.09.2024).
Unter den Preisberichten zu der Auktion ist in der «Weltkunst» im Gegensatz dazu ein Preis von CHF 1200 angegeben; vgl. Weltkunst, Jg. V, 13.09.1931, S. 4: Preisberichte; https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/wk1931/0386/image,info,thumbs (21.10.2025). Ob es sich dabei um die Angabe eines Limit- oder Schätzpreises handelt, ist nicht klar. Da auch die Dokumente im Archiv der Galerie Fischer in Luzern bestätigen, dass das Werk nicht verkauft wurde und in Kommission bei der Galerie verblieb, handelt es sich jedenfalls nicht um den Zuschlagspreis. Auch im Kommissionsbuch der Galerie Fischer wird dieser Betrag nicht genannt; vgl. Auszug aus dem Kommissionsbuch 1924-1938 Mai, fol. 174, Archiv der Galerie Fischer, Galerie Fischer Auktionen AG, Luzern. Recherche: Dr. Sandra Sykora.
- 1.9.1931 – 21.9.1931, Galerie Fischer (Galerie), Luzern, KommissionAuszug aus dem Kommissionsbuch 1924-1938 Mai, wie oben Fussnote 4: «Laut Aufstellung vom 2. Sept. 1931 & Brief an ihn [Fritz Hess] bleiben folgende Gegenstände hier zu den angegebenen Nettopreisen und wird bei jedem Verkauf der Betrag Herrn Hess gutgeschrieben an seiner Schuld».
- 21.9.1931 – 21.6.1934, Galerie Paul Cassirer, Berlin und Galerie Fischer, Luzern (Galerie), Berlin/Luzern, KommissionE-Mail-Korrespondenz vom 20.08.2024 und rote Stockkarte Nr. 20502, Paul Cassirer/Walter Feilchenfeldt Archiv, Zürich: 21.9.31 «von Fritz Hess, Dahlem»; 21.6.34 «an Fischer Luzern».
- 21.6.1934 – 18.12.1934, Galerie Fischer (Galerie), Luzern, KommissionWie oben Fussnote 6; Auszug aus dem Kommissionsbuch 1924-1938 Mai, fol. 174, Archiv der Galerie Fischer, Galerie Fischer Auktionen AG, Luzern. Recherche: Dr. Sandra Sykora.
- 18.12.1934 – 19.2.1947, Galerie Fischer (Galerie), Luzern, Kauf, 1'000 CHF, unter Verrechnung einer SchuldWie oben Fussnote 5: «18/12/34 alle Bilder gehen in mein [Fischer] Eigentum über. Die Schuld wird ausgeglichen & ich bezahle ihm noch bar F 5000.»; Objektkarte Inv.-Nr. 4364, Archiv der Galerie Fischer, Galerie Fischer Auktionen AG, Luzern. Recherche: Dr. Sandra Sykora. Bei der Schuld könnte es sich um die Verbindlichkeit von Hess gegenüber Fischer aus der Zahlung eines Auktionsvorschusses gehandelt haben, die dann im Weiteren 1934 durch Annahme von Fischer an Zahlungs statt durch die noch in Kommission verbliebenen Objekte aus der Sammlung Hess beglichen wurde. (E-Mail-Korrespondenz, Sandra Sykora, 19.05.2024).
1938 wurde das Relief als Leihgabe von der Galerie Fischer, Luzern, bei der Ausstellung «Twentieth Century German Art» in den New Burlington Galleries in London ausgestellt; vgl. Ausst.-Kat. New Burlington Galleries London 1938, S. 9, Nr. 4 sowie Wasensteiner 2019, S. 74, Fig. 4.3; S. 144, Appendix I, Exhibit no. 5, Cat. no. 4; S. 185.
- 19.2.1947, Librairie du Château d'Art E. Beyeler, Basel, Kauf, 2'000 CHFObjektkarte Inv.-Nr. 4364, Archiv der Galerie Fischer, wie oben Fussnote 8. Laut ZKG/KHZ Inventarbuch Slg. wurde das Relief bereits am 20. März 1946 vom Kunsthaus Zürich erworben. Dennoch wurde der Eigentumsübertrag von Fischer auf Beyeler erst 1947 abgeschlossen.
- ab 20.3.1946, Zürcher Kunstgesellschaft | Kunsthaus Zürich (Museum), Zürich, Kauf, 2'600 CHFWie oben Fussnote 9.
Provenienzstatus
Hinweise auf NS-Raubkunst
Provenienzstatus (BAK)
C – Die Provenienz zwischen 1933 und 1945 ist nicht eindeutig geklärt oder weist Lücken auf. Aus den vorliegenden Recherchen ergeben sich keine Belege für NS-Raubkunst. Es liegen jedoch Hinweise auf NS-Raubkunst und / oder auffällige Begleitumstände vor. Die Herkunft muss weiter erforscht werden.
Literatur (Provenienz)
- Elisabeth Laur/Volker Probst/Ulrich Bubrowski: Ernst Barlach. Das plastische Werk, Güstrow, 2006, S. 160, Nr. 287.
- Die Sammlung H., Berlin: Gemälde alter und moderner Meister, moderne Plastik (Versteigerung in Luzern, Hotel National, 01.09.1931), Kunstsalon Paul Cassirer Berlin/Galerie Fischer Luzern, Berlin 1931, o. S., Nr. 46.
- Lucy Wasensteiner: The Twentieth Century German Art exhibition. Answering Degenerate Art in 1930s London, New York, NY: Routledge, 2021, S. 74, Fig. 4.3; S. 144, Appendix I, Exhibit no. 5, Cat. no. 4; S. 185.
- Tisa von der Schulenburg: Ich hab’s gewagt. Bildhauerin und Ordensfrau – ein unkonventionelles Leben, Freiburg, 1981.
- Twentieth Century German Art, Ausst.-Kat. New Burlington Galleries (July 1938), London, 1938, S. 9, Nr. 4.
Zur Provenienz
1946 wird das Eichenholzrelief Mutter und Kind von Ernst Barlach von der Librairie du Château d'art, Basel (später Galerie Ernst Beyeler) für das Kunsthaus Zürich erworben. Umfangreiche Recherchen haben ergeben, dass das Werk von 1922 bis 1934 Eigentum des Berliner Kunstsammlers Fritz (auch Siegfried) Hess war. Bereits 1931 hatte dieser seine Sammlung bei der Galerie Fischer in Luzern zum Verkauf angeboten, da er durch die Weltwirtschaftskriese in Geldnot geraten war. Nicht alle zur Auktion stehenden Kunstwerke waren 1931 verkauft worden; einige – wie das Relief – blieben in Kommission bei der Galerie Fischer. Erst 1934 gingen die bis dahin noch nicht verkauften Werke in das Eigentum der Galerie über unter Verrechnung von Schulden. Fritz Hess war jüdischer Herkunft und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach England geflohen. Die Umstände des Verkaufs 1934 werden derzeit weiter erforscht. Es bestehen Hinweise, dass der Verkauf unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgung erfolgte.
Recherchestand 10.04.2025
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Literatur (allgemein)
- Kunsthaus Zürich. Gesamtkatalog der Gemälde und Skulpturen, hrsg. von Zürcher Kunstgesellschaft et al., Sammlungskatalog, Ostfildern: Hatje Cantz, 2007, S. 600.
- Friedrich Schult: Ernst Barlach. Das plastische Werk, Hamburg: E. Hauswedell, 1960, No. 220.
- Ernst Barlach. Werke und Werkentwürfe aus fünf Jahrhunderten, Bd. I, hrsg. von Elmar Jansen, Ausst.-Kat. Altes Museum, Berlin: Akademie der Künste der DDR, 1981, No. 47.