Signatur/Inschrift
bez. u. l.: Manet
Werkverzeichnis
Rouart/Wildenstein 175
Provenienz
- Édouard Manet (*1832 Paris, +1883 Paris) (Künstler/-in)
- 1871 – 1892, Adrien Marx (*1837, +1906)Vom Künstler erhalten, siehe Widmung auf dem Bild (später übermalt): «à l'ami Adrien Marx».
- 1892 – 13.12.1913, Roger Marx (*1859 Nancy, +1913 Paris) (Sammler/-in), Paris, Kauf, 450.00 FRFSammlungsetikette Werkrückseite; Tabarant 1947, S. 289; Kat. Musée des Beaux-Arts Nancy 2006, No. 3, S. 31; Neffe des Vorgenannten, erworben von dem Vorgenannten (Adrien Marx) für 450 FF.
- 13.12.1913 – 11.5.1914, Nachlass Roger Marx, Paris, NachlassKat. Galerie Manzi-Joyant 1914, No. 60.
- 11.5.1914 – 20.5.1914, Durand-Ruel, Bernheim-Jeune und Paul Cassirer (Kunsthändler/-in), Paris/Berlin, Kauf, 74000.00 FRFo. V. in Scheffler 1914, S. 557; Rouart/Wildenstein 1975, Bd. I, No. 175.
- 20.5.1914 – 12.4.1915, Bernheim-Jeune und Paul Cassirer (Kunsthändler/-in), Paris/Berlin, KaufRouart/Wildenstein, wie oben Fussnote 5.
- 12.4.1915 – 20.7.1923, Durand-Ruel, Bernheim-Jeune und Paul Cassirer (Kunsthändler/-in), Paris/Berlin, KaufWie oben Fussnote 6.
- 20.7.1923 – o.D., Paul Durand-Ruel (*1831 Paris, +1922 Paris) (Kunsthändler/-in), ParisAusstellungsetikette auf der Werkrückseite; AStEGB, Kopie des Berichts von Monika Tatzkow, übermittelt an die Stiftung Sammlung E.G. Bührle am 16.04.2009; Kat. Carnegie Institute 1924, No. 19; Kat. Galerie Matthiesen 1928, No. 35, S. 32. Nach den im Archiv der Galerie Durand-Ruel in Paris aufbewahrten Dokumenten, die im Bericht von Dr. Monika Tatzkow an von Trott zu Solz, Kanzlei, Berlin, 20.03.2009, S. 3, zitiert werden, wurde Durand-Ruel am 20.07.1923 alleiniger Eigentümer des Gemäldes, nachdem er seinen Anteil von einem Drittel erst an Bernheim-Jeune verkaufte (20.05.1914) und dann wieder zurückerwarb (12.04.1915). AStEGB, Kopie des Berichts von Monika Tatzkow, gesendet an die Stiftung Sammlung E.G. Bührle am 16.04.2009.
- [Verbleib unbekannt?]
- spätestens ab 6.2.1928 – 1937, Max Silberberg (*1878 Neuruppin, +1942 KZ Theresienstadt) (Sammler/-in), Breslau, KaufAusstellungsetikette Bernheim-Jeune 1928 auf der Werkrückseite; Notiz zur Besichtigung Max Silberbergs in der Galerie Thannhauser, Berlin, 04.01.1927, Zentralarchiv des Internationalen Kunsthandels (ZADIK), Köln, Thannhauser Archive A77; Kat. Galerie Matthiesen 1928, S. 32, No. 35; Kat. Bernheim-Jeune 1928, S. 10, No. 24; Wildenstein/Jamot 1932, S. 142, No. 200. Im Archiv der Galerie Durand-Ruel in Paris haben sich keine Dokumente über den Verkauf des Gemäldes an Max Silberberg erhalten (AStEGB, Bericht von Dr. Monika Tatzkow wie oben Fussnote 9), aber da Durand-Ruel 1934 akzeptierte, sich das Gemälde von Paul Rosenberg für eine Ausstellung in New York in den eigenen Räumen schicken zu lassen (Kat. Durand Ruel Galleries New York 1934, No. 31, S. 18), E-Mail von Durand-Ruel, Paris, an die Stiftung Sammlung E.G. Bührle, Zürich, 07.03.2022, kann davon ausgegangen werden, dass ein regulärer Verkauf des Gemäldes an Silberberg tatsächlich stattgefunden hat.
- wohl spätestens ab 1932 – 1937, Paul Rosenberg (*1881 Paris, +1959 Neuilly-sur-Seine, Paris) (Kunsthändler/-in), ParisEtikette Galerie Paul Rosenberg auf der Werkrückseite, No. 3097; Fotoinventar der Galerie Paul Rosenberg, Paris, Nr. 3079, The Paul Rosenberg Archives, Museum of Modern Art, New York; Geschäftsbuch der Galerie Paul Rosenberg, New York, No. 5106, Manet La Sultane, The Paul Rosenberg Archives, Museum of Modern Art, New York; Räumlichkeiten der Galerie Paul Rosenberg 1935 mit dem Gemälde La Sultane in der Ausstellung Exposition de tableaux du XIXe siècle dans un décor, Musée d'Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt; Kat. Durand Ruel Galleries New York 1934, wie oben Fussnote 10.
1932 wurde La Sultane von Edouard Manet Paul Rosenberg in Paris übergeben, wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt, als eine Gruppe von Werken aus der Sammlung Silberberg (ohne La Sultane) im Juni 1932 auf einer Auktion in Paris zum Verkauf angeboten wurde. Nach seiner Ankunft in Paris wurde das Gemälde als No. 3079 in ein Fotobuch der Galerie Paul Rosenberg eingetragen (Museum of Modern Art, New York, The Paul Rosenberg Archives, IV.A.1.a, «Liste de photographies, Paris»; obwohl diese Einträge nicht datiert sind, verweist ein späterer Eintrag auf der folgenden Seite desselben Fotobuchs, der mit den Nummern 3129-3131 verknüpft ist, auf eine Exposition Claude Monet Nymphéas, die von Februar bis März 1933 in der Galerie stattfand, so dass das Gemälde mit Sicherheit vor diesem Datum an Rosenberg geliefert wurde und nach Paris kam). Paul Rosenberg bot das Gemälde anschließend auf zwei Ausstellungen zum Verkauf an, eine 1934 in New York und eine 1935 in Rosenbergs eigener Galerie in Paris (Tableaux du 19e siècle dans un décor ancien, Galerie Paul Rosenberg, Paris 1935), zu der kein Katalog, aber Fotos der Installation erhalten sind.
- 1937 – 18.9.1953, Paul Rosenberg (*1881 Paris, +1959 Neuilly-sur-Seine, Paris) (Kunsthändler/-in), Paris, Kauf, 17800.00 USDEtikette Galerie Paul Rosenberg auf der Werkrückseite, Nr. 3097; Fotoinventar der Galerie Paul Rosenberg, wie oben Fussnote 11; Geschäftsbuch der Galerie Paul Rosenberg,, wie oben Fussnote 11; AStEGB, Brief von Paul Rosenberg, New York, an Emil Bührle, 22. September 1952, mit Einzelrechnungen für 10 Bilder, die Bührle bei ihm erworben hat, darunter Manet, La Sultane; Rechnung von Paul Rosenberg, New York, ausgestellt auf Emil Bührle, 22. September 1952, mit Angabe von Silberberg als Vorbesitzer; Brief von Emil Bührle an Paul Rosenberg, Zürich, 6. Mai 1953, mit einem Scheck zur Bezahlung von 4 Bildern und einem Zahlungsplan für 3 noch ausstehende Bilder, darunter Manet, La Sultane; [Rechnung von Paul Rosenberg, New York, ausgestellt auf Emil Bührle, 14. September 1953, für Manet, La Sultane; Kat. Person Hall Art Gallery, Chapel Hill (North Carolina) 1941, Nr. 10.
1932 wurde La Sultane von Edouard Manet Paul Rosenberg in Paris übergeben, wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt, als eine Gruppe von Werken aus der Sammlung Silberberg (ohne La Sultane) im Juni 1932 auf einer Auktion in Paris zum Verkauf angeboten wurde. Nach seiner Ankunft in Paris wurde das Gemälde als Nr. 3079 in ein Fotobuch der Galerie Paul Rosenberg eingetragen (Museum of Modern Art, New York, The Paul Rosenberg Archives, IV.A.1.a, "Liste de photographies, Paris"; obwohl diese Einträge nicht datiert sind, verweist ein späterer Eintrag auf der folgenden Seite desselben Fotobuchs, der mit den Nummern 3129-3131 verknüpft ist, auf eine Exposition Claude Monet Nymphéas, die von Februar bis März 1933 in der Galerie stattfand, so dass das Gemälde mit Sicherheit vor diesem Datum an Rosenberg geliefert wurde und nach Paris kam). Paul Rosenberg bot das Gemälde anschließend auf zwei Ausstellungen zum Verkauf an, eine 1934 in New York (Katalog wie oben) und eine 1935 in Rosenbergs eigener Galerie in Paris (Tableaux du 19e siècle dans un décor ancien, Galerie Paul Rosenberg, Paris 1935), zu der kein Katalog, aber Fotos der Installation erhalten sind.
- 18.9.1953 – 28.11.1956, Emil Georg Bührle (*1890 Pforzheim, +1956 Zürich) (Sammler/-in), Zürich, Kauf, 58500.00 USDAStEGB, Rechnung von Paul Rosenberg, New York, ausgestellt auf Emil Bührle, 22. September 1952, mit Angabe von Silberberg als Vorbesitzer; Brief von Emil Bührle an Paul Rosenberg, Zürich, 6. Mai 1953, mit einem Scheck zur Bezahlung von 4 Bildern und einem Zahlungsplan für 3 noch ausstehende Bilder, darunter Manet, La Sultane; [Rechnung von Paul Rosenberg, New York, ausgestellt auf Emil Bührle, 14. September 1953, für Manet, La Sultane, und Zusammenfassung von Rechnungen von Paul Rosenberg, ausgestellt auf Emil Bührle, 14. September 1953, für 3 Bilder im Wert von $ 138. 600, einschliesslich Manet, La Sultane, unter Abzug von $ 19.220 für bereits geleistete Zahlungen; Zahlungsauftrag von Emil Bührle an die Industrie- und Handelsbank, Zürich, 18. September 1953, mit dem Auftrag, die restlichen $ 119.380 an Paul Rosenberg zu überweisen; Korrespondenz bezüglich der Einfuhr der 10 Bilder in die Schweiz, 12. Januar 1956-22. Juni 1956, wobei der Manet in den Papieren als "Manet, Junge Frau in orientalischem Kostüm" mit einem deklarierten Wert von $ 12.000 auftaucht.
- 28.11.1956 – 1960, Nachlass Emil Bührle, Zürich, Nachlass
- ab 1960, Stiftung Sammlung E.G. Bührle (Sammlung), Zürich, Geschenk, Inv.-Nr. 62
- ab 2021, Zürcher Kunstgesellschaft | Kunsthaus Zürich (Museum), Zürich, Leihgabe
Literatur (Provenienz)
- Adolphe Tabarant: Manet et ses œuvres, Paris: Gallimard, 1947, S. 289.
- Catalogue des tableaux pastels, dessins, aquarelles. Par Bazille, Bernard, Besnard... Galerie Manzi, Joyant, les lundi 11 et mardi 12 Mai 1914, Ausst.-Kat. Galerie Manzi Joyant, Paris, No. 60.
- Denis Rouart/Daniel Wildenstein: Edouard Manet. Catalogue raisonné, Vol. I, Bd. 1 von 2, Lausanne/Paris: La Bibliothèque des Arts, 1975, No. 175.
- Exhibition of paintings. Edouard Manet, Pierre Renoir, Berthe Morisot. Oct. 15-Dec. 1, 1924, Ausst.-Kat. Carnegie Institute, Pittsburgh, No. 19.
- Ausstellung Edouard Manet 1832-1883 Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen. 6. Februar bis 18. März 1928, Ausst.-Kat. Galerie Matthiesen, Berlin, 1928, No. 35, S. 32.
- From Ingres to Picasso. Vth annual U.N.C. art students' exhibition, May 1941, Ausst.-Kat. Person Hall Art Gallery, Chapel Hill, NC, 1941, Nr. 10.
- Roger Marx. Un critique aux côtés de Gallé, Monet, Rodin, Gauguin... Nancy, Musée des Beaux-Arts, Musée de l'École de Nancy, may 6-august 28, 2006, hrsg. von Gabriel P. Weisberg, Ausst.-Kat. Musée des Beaux-Arts, Nancy: Éditions Artlys, 2006, Nr. 3, S. 31.
- o. V.: «Auktionsnachrichten Paris», in: Karl Scheffler (Hrsg.): Kunst und Künstler. Illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe XII, Berlin: Bruno Cassirer Verlag, 1914, S. 557, S. 557.
- Georges Wildenstein/Paul Jamot: Manet (Catalogue critique 1), Paris: Les Beaux-Arts Édition d'études et de Documents, 1932, No. 200, S. 142.
- Exposition d'oeuvres de Manet. Au profit des «Amis du Luxembourg» du 14 avril au 4 mai 1928, Ausst.-Kat. Bernheim-Jeune, Paris, 1928, No. 24, S. 10.
- Exhibition of important paintings by great French masters of the nineteenth century. Organized by Paul Rosenberg and Durand-Ruel, for the benefit of the Children's Aid Society and the French Hospital of N.Y. : February 12th to March 10th, 1934, Ausst.-Kat. Durand Ruel Galleries, New York, 1934, No. 31, S. 18.
Zur Provenienz
Max Silberberg (1878–1942) war Unternehmer und Kunstliebhaber Seine Sammlung umfasste in den 1920er-Jahren rund 250 Gemälde, Zeichnungen und Plastiken. Silberberg wurde 1930 von der Berliner Presse zu den vier Kunstsammlern gezählt, «die man in aller Welt kennt».
Das Gemälde La Sultane von Édouard Manet befand sich ab 1928 im Eigentum von Max Silberberg. Als Folge der Weltwirtschaftskrise verkaufte er 1932 in Paris einen Teil seiner französischen Werke, nicht jedoch La Sultane. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 veränderte die Lebensumstände der jüdischen Bevölkerung, zu der Silberberg gehörte, grundlegend. Die diskriminierenden Massnahmen und zu entrichtenden Steuern liessen die Familie Silberberg verarmen. Sie war gezwungen, Teile der Kunstsammlung zu veräussern. Andere Teile wurden von den Nationalsozialisten geraubt oder verpfändet. Silberberg musste seine Villa an den SS-Sicherheitsdienst verkaufen, seine Firma wurde zwangsliquidiert. 1942 deportierten die Nationalsozialisten Max und Johanna Silberberg und ermordeten sie im Konzentrationslager; ihr Sohn Alfred flüchtete 1939 mit seiner Frau Gerta nach Grossbritannien.
Das Gemälde La Sultane befand sich wohl bereits vor 1933 in der Pariser Galerie Paul Rosenberg, also ausserhalb des NS-Machtbereichs. Der Kunsthändler Rosenberg erwarb es 1937 für 17’800 US-Dollar von Max Silberberg und sandte es 1939 nach New York. Rosenberg, selbst Jude, musste ebenfalls flüchten und gelangte 1940 in die USA. Emil Bührle erwarb das Bild von Paul Rosenberg im September 1953 in New York für 58’500 US-Dollar.
Die Stiftung Sammlung E. G. Bührle und der Greta Silberberg Discretionary Trust haben sich am 23. April 2025 auf eine Vergleichslösung geeinigt. Das Bild bleibt in der Sammlung und wird weiterhin im Kunsthaus zu sehen sein.
Recherchestand 23.04.2025
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Literatur (allgemein)
- Die Sammlung Emil Bührle. Geschichte, Gesamtkatalog und 70 Meisterwerke, hrsg. vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA), München: Hirmer, 2021, No. 254, S. 268 (ill.).
- Sammlung Emil G. Bührle. Festschrift zu Ehren von Emil G. Bührle zur Eröffnung des Kunsthaus-Neubaus und Katalog der Sammlung Emil G. Bührle, hrsg. von Kunsthaus Zürich, Sammlungskatalog Kunsthaus Zürich, Zürich, 1958, No. 140, S. 98 (ill.).