Es sind 162 Werke von Ferdinand Hodler online. Es sind 2511 Malereien online.
Das Landschaftswerk von Ferdinand Hodler (1853 in Bern – 1918 in Genf) umfasst über siebenhundert Gemälde, darunter zahlreiche Darstellungen von Wäldern, Seen und Berggipfeln. Häufig gibt es mehrere Fassungen vom gleichen Sujet, etwa vom Thunersee mit Stockhornkette. Die Darstellung von einzelnen Bäumen gehört ebenfalls zu Hodlers Repertoire. Der Maler bezeichnete seine Baumbilder gern als «Bildnis»,[1] also als individualisierte Darstellungen. Mit einem Bild dieses Typus’ haben wir es auch bei «Baum am Brienzersee vom Bödeli aus» zu tun. Dieses Sujet blieb allerdings einzigartig im umfangreichen Œuvre des Künstlers. Auf einer saftigen Wiese am Ufer des Brienzersees steht ein Laubbaum mit prächtiger Baumkrone. Das Buschwerk im Vordergrund verdeckt dessen Stamm nahezu ganz.
Am anderen Ufer ist links im Bild die Kirche von Ringgenberg zu sehen und die Bergkette Richtung Niederried bei Interlaken. Hodlers Standort befand sich am sogenannten Bödeli, der Schwemmebene zwischen Thuner- und Brienzersee, und zwar in Bönigen, am südlichen Ende des Brienzersees.
Hodler hat das Gemälde so angelegt, dass die Mitte des Baumes mit kugelrunder Krone fast mit der Bildmitte übereinstimmt. Die Komposition wirkt dadurch symmetrisch, ohne monoton zu sein. Dynamisiert wird die Bildanlage mit der abschüssigen Bergkette nach rechts und die ungleichmässig verteilten Büsche im Vordergrund sowie mit den Wolken am Himmel. Hodler wird damit seinem Prinzip des Parallelismus gerecht, mit dem er versuchte, anhand von wiederholten Formen und Farben und einer symmetrischen Anordnung Ordnung und Einheit in die chaotische und zufällige Natur zu bringen. Als des Künstlers Aufgabe verstand er, das «ewige Element der Natur auszudrücken».[2] Während auf früheren Baumbildern weit mehr von der umliegenden Landschaft zu sehen ist, isolierte der Künstler nach 1900 die Bäume mehr und mehr und überhöhte sie durch einen Wolkenkranz. Dadurch verlieh er ihnen einen symbolhaften Charakter.
Neben Ölfarben dienten Hodler auch Ölfarbenstifte für die Fertigstellung des Gemäldes. 1902 kamen die sogenannten «Raffaëlli-Ölfarbenstifte» auf den Markt. Der Farbteig ist bei diesen nicht in Tubenform, sondern in Stiftform konserviert. Dieses Farbmaterial erlaubte Hodler Farbakzente zu setzen, aber auch die nachträgliche Überarbeitung seiner Gemälde, denn dessen Verwendung ist in der Regel auf den zuletzt aufgetragenen Lagen des Farbauftrags auszumachen.[3] Auf dem Baumbild vom Bödeli aus dürfte Hodler die Ölfarbenstifte – mit Ausnahme des Himmels – auf der gesamten Bildfläche verteilt als Akzente eingesetzt haben.
Um 1906 gehörte Hodler zu den angesehensten und progressivsten Malern in Europa. 1904 feierte er seinen internationalen Durchbruch an der Sezessionsausstellung in Wien und im Jahr darauf wurde ihm ein ganzer Raum an der Berliner Sezession gewidmet. Die berufliche Genugtuung scheint sich in dem heiteren Bild mit dem Baum in voller Pracht wiederzufinden.
[1] Bätschmann/Müller 2008 (wie Anm. 1), S. 3; Loosli 1921–1924 (wie Anm. 1), Bd. 4 (1924), S. 299.
Oskar Bätschmann und Paul Müller, «Das Landschaftswerk von Ferdinand Hodler», in: dies., Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Bd. 1: Die Landschaften, mit Beiträgen von Regula Bolleter, Monika Brunner, Matthias Fischer, Matthias Oberli, Zürich 2008, S. 26–27; Charles A. Loosli, Ferdinand Hodler. Leben, Werk und Nachlass, 4 Bde., Bern 1921–1924, Bd. 2 (1922), S. 64–65.
[2] Bätschmann/Müller 2008 (wie Anm. 1), S. 3; Loosli 1921–1924 (wie Anm. 1), Bd. 4 (1924), S. 299.
[3] Karoline Beltinger, «Bemerkungen zu Ferdinand Hodlers Malfarbengebrauch», in: dies. (Hg.), Kunsttechnologische Forschungen zur Malerei von Ferdinand Hodler, Zürich 2007, S. 151–162, hier S. 156.
Kunsthaus Zürich, Schenkung aus Privatbesitz, 2023
Signatur/Inschrift
bez. u. r.: F. Hodler
Beschriftung
verso auf Rahmen o. l. weisse KHZ-Etikette in Schwarz: […] Ausstellung Ferdinand Hodler, 5.3.-6.6.2004 / Kat.Nr. 17 / […] [Privatbesitz]; o. M. schwarz-weisse Etikette in Schwarz-Weiss: A. Frey / Exklusive / Bilderrahmen / Basel Zürich / 8006 Zürich, Stampfenbachstr. 56 Tel. 01 363 18 10 / 4054 Basel Altkircherstr. 17 Tel. 061 38 72 96; o. M. weisse KHZ-Etikette in Schwarz: [...] Ausstellung Ferdinand Hodler / 19.8.-23.10.1983 / [...] Besitzer: [Privatbesitz] (...) / [Privatbesitz] [unterstrichen] / Kat.-Nr.: 96; verso auf Rückseitenschutz keine Bezeichnung; verso auf Keilrahmen o. l. in Blau: H / 261 [unterstrichen] [hs]; o. M. weisse Etikette in Schwarz: GALERIE BEYELER BASEL / 9159 [ms] / HODLER Ferdinand [ms] / Brienzersee vom Bödeli aus [ms] / 1906 [ms] / Oel auf Leinwand [ms] / 85 x 105cm, 331/2 x 41/4" [ms]; o. r. weisse vergilbte KHZ-Etikette in Schwarz: F. Hodler / Brienzersee / Alice Mettler, Zollikon [ms], darauf in Blau: um1904 [hs]; o. r. in Schwarz: AAS52 [hs wohl mit Schablone]; verso auf Leinwand: keine Bezeichnungen
Werkverzeichnis
sik-isea, Nr. 334
Zugangsjahr
2023
Provenienz
Ferdinand Hodler (*1853 Bern, +1918 Genf) (Künstler/-in)
Verbleib unbekannt
o.D. – 1911, Johan Friedrich Michel (*1856 Interlaken, +1940 Interlaken), Interlakensik-isea, Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Nr. 334, https://recherche.sik-isea.ch/sik:work-6004931/in/catalogues.hodler:exp/ (02.04.2025).
Verbleib unbekannt
1916 – 1945, Hans Mettler-Weber (*1876, +1945) (Sammler/-in), St. Gallensik-isea, Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, No. 334, wie oben Fussnote 3; Kat. Galerie Moos Genf 1938, No. 75, o. S.: «Coll. Hans Mettler, Saint-Gall.»; Kat. Ausstellungshalle Karlsruhe 1925, No. 213, S. 13: «H. Mettler-Weber, St. Gallen»; Kat. Kunsthaus Zürich 1917, No. 255, S. 12: «Privatbesitz».
[Verbleib unbekannt?]
spätestens ab 22.2.1964 – mindestens bis 5.4.1964, Alice Mettler, Zollikon, wohl NachlassAusstellungsetikette auf der Werkrückseite; sik-isea, Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Nr. 334, wie oben Fussnote 3; Kat. Kunsthaus Zürich 1964, No. 6, S. 37: «Privatbesitz Zollikon». Das Werk befand sich wohl bis zur Versteigerung der Sammlung Mettlers am 2. Juli 1979 bei den Erben von Hans Mettler.
2.7.1979, Christie, Manson & Woods Ltd. (Auktion), London, Lot 24sik-isea, Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Nr. 334, wie oben Fussnote 3.
- F. Hodler Exposition Commémorative 1918-1938. A l'Occasion du XXme Anniversaire de sa mort, Ausst.-Kat. Galerie Moos, Genf, 1938, No. 75, o. S..
- Ferdinand Hodler. Landschaften der Reife und Spätzeit, Ausst.-Kat. Kunsthaus Zürich, Zürich, 1964, No. 6, S. 37.
- Grosse Schweizer Kunstausstellung, Ausst.-Kat. Städt. Ausstellungshalle Karlsruhe, Karlsruhe, 1925, No. 213, S. 13.
- Ausstellung Ferdinand Hodler, Ausst.-Kat. Kunsthaus Zürich, Zürich, 1917, No. 255, S. 12.
Zur Provenienz
Recherchestand 27.05.2025
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