Zur Provenienz
Berthold (1865–1942) und Martha Nothmann (1874–1967) erwarben Paul Cézannes Landschaft um 1926/27. Berthold Nothmann war Direktor der Huldschinsky Röhrenwerke in Gleiwitz (heute Gliwice, Polen) und nach dem Ersten Weltkrieg Generaldirektor der Oberschlesischen Stahlwerksgesellschaft. Sein Erfolg ermöglichte es ihm, eine Sammlung deutscher und französischer Kunst aufzubauen. Nach seiner Pensionierung 1931 zog das Ehepaar Nothmann nach Berlin-Wannsee. Hier blieben sie auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten bis um 1938/39.
Aufgrund der NS-Verfolgung und der Lebensbedrohung flüchteten sie schliesslich nach London. Um die Reise und die dem NS-Regime abzugeltende «Reichsfluchtsteuer» und die «Judenvermögensabgabe» aufbringen zu können, verkauften sie einen Teil ihrer Sammlung. Einige Werke konnten sie mitnehmen und im Exil von deren Verkauf leben.
Berthold Nothmann verstarb 1942 in London, Martha erreichte noch während des Kriegs die USA. 1947 bot sie dem Winterthurer Sammler Oskar Reinhart Gemälde aus der Sammlung an und schrieb: «Entschuldigen Sie bitte, dass ich so direkt an Sie zu schreiben wage, aber die Zeiten sind so hart, wir hatten uns unser Lebensende auch einmal anders vorgestellt.» Cézannes Landschaft aus der Sammlung Martha Nothmanns kaufte im Sommer 1947 der Kunsthändler Fritz Nathan in New York. Er verkaufte es sodann nicht and den Winterthurer Sammler Oskar Reinhart wie Martha Nothmann vermutete, sondern an Emil Bührle.
Inwieweit dieser Verkauf als NS-verfolgungsbedingter Entzug zu werten ist, wird im Zuge der neuen Strategie für Provenienzforschung am Kunsthaus Zürich, die auch die Sammlung Emil Bührle einschliesst, zu beurteilen sein. Der Grund für den Verkauf war unzweifelhaft die Verfolgungs- und Beraubungspolitik des NS-Staats. Doch der Eigentumswechsel hat in einem nicht vom nationalsozialistischen Deutschland besetzten oder in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkten Land und erst nach dem Kriegsende 1945 stattgefunden.
Recherchestand 26.06.2024
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Literatur (allgemein)
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- Alfonso Gatto: L'opera completa di Cézanne, Mailand: Rizzoli Editore, 1970, No. 312 (ill.).
- Julius Meier-Graefe: Cézanne und sein Kreis. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte, München, 1918, S. 184 (ill.).
- John Rewald: The Paintings of Paul Cézanne. A Catalogue Raisonné, Bd. 1, New York, NY: Abrams, 1996, No. 412.
- Die Sammlung Emil Bührle. Geschichte, Gesamtkatalog und 70 Meisterwerke, hrsg. vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA), München: Hirmer, 2021, No. 153, S. 264 (ill.).
- Sammlung Emil G. Bührle. Festschrift zu Ehren von Emil G. Bührle zur Eröffnung des Kunsthaus-Neubaus und Katalog der Sammlung Emil G. Bührle, hrsg. von Kunsthaus Zürich, Sammlungskatalog Kunsthaus Zürich, Zürich, 1958, No. 221, S. 129.
- Stiftung Sammlung Emil G. Bührle, hrsg. von Leopold Reidemeister, Sammlungskatalog, Zürich: Artemis Verlag, 1973, No. 52 (ill.).
- Emil Maurer: Stiftung Sammlung E. G. Bührle, Zürich, Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, 1994, S. 43.
- Lukas Gloor: «Der Bestand der Sammlung Emil Bührle: Illustrierte Liste aller 633 Käufe», in: Die Sammlung Emil Bührle. Geschichte, Gesamtkatalog und 70 Meisterwerke, hrsg. vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA), München: Hirmer, 2021, S. 253-297, No. 153 (ill.).
- Stiftung Sammlung E. G. Bührle Zürich, Bd. 3 von 3, hrsg. von Lukas Gloor, Sammlungskatalog, Conegliano (Treviso): Linea d'Ombra Libri, 2005, No. 111 (ill.).
- Walter Feilchenfeldt: «Cézanne’s Collectors, From Zola to Annenberg», in: Cézanne, hrsg. von Françoise Cachin/Jane Watkins, Ausst.-Kat. Galeries Nationales d'Exposition du Grand Palais/Philadelphia Museum of Art/ Tate Gallery, New York, NY: Abrams, 1995, S. 578.
- Le Bulletin de la vie artistique (1 Mars 1924), 1924, S. 111 (ill.).
- Adolphe Tabarant: «Quelque propos sur Cézanne», in: Le Bulletin de la vie artistique (1 Mars 1924), 1924, S. 104-107, S. 104 (ill.).
- Julius Meier-Graefe: Cézanne, London/New York, NY: Ernest Benn Limited, 1927.
- Doris Wild: «Private Kunstsammlungen in der Schweiz. Die Sammlung Emil Bührle in Zürich», in: Das Kunstwerk. Eine Zeitschrift über alle Gebiete der Bildenden Kunst (SIEBTES JAHR - HEFT 1), Baden-Baden: Woldemar Klein, 1953, No. 6, S. 28.
- John Rewald: The Paintings of Paul Cézanne. A Catalogue Raisonné, Bd. 2, New York, NY: Abrams, 1996, ill. No. 412.
- Lionello Venturi: Cézanne. Son art, son œuvre, Bd. 2, Paris: Paul Rosenberg Éditeur, 1936, ill. No. 82.